eine mutter neben ihrem vierjährigen kind in der u-bahn sitzen zu sehen. das kind wackelt mit den beinen und hat einen rucksack auf, aus dem eine kuscheltierkatze schaut. die mutter hat stöpsel im ohr und summt leise zur musik.
vorfreude! vorfreude! es geht auf’s spot-festival. ihr dürft euch nach meiner rückkehr wieder auf eine flut von neu entdeckten und alt geschätzten bands aus der skandinavischen musikszene freuen.
wie letztes jahr ist auch 2012 lieblingskollege henning mit von der partie. wie gut, dass wir schon wissen, dass der weg hinunter zur voxhall anstrengend ist, dass elderflower-cider süchtig macht, wo man in arhus am besten frühstücken kann und wo man die schönsten jeanshemden findet.
meine beiden persönlichen musikalischen schmankerl sind in diesem jahr die raveonettes (hach!) und veronica maggio (yay!). ich glaube ich bin jeder person, die ich auch offline kenne, bereits mehr als ein mal mit den liedern der feschen schwedischen blondine in den ohren gelegen. sicher ist: nach den 4 tagen festival wird es nicht besser werden.
ich habe so arschtritt-bücher. bücher, bei denen die lektüre wie ein gutes gespräch mit einer freundin wirkt. bei denen ich dann ganz bei mir bin und mich darauf besinne, was ich eigentlich möchte. wo ich stehe. oder hin will.
eines dieser bücher ist “wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede” von haruki murakami. schon allein wegen der wundervollen abwandlung des titels des kurzgeschichtenbandes von raymond carver (wovon wir reden, wenn wir von liebe reden) muss ich dieses buch im regal stehen haben.
wie der titel aber schon sagt, geht es in erster linie ums laufen, den marathon, eine leidenschaft murakamis. untergeordnet – bzw. für mich eher übergeordnet – sind seine gedanken über lebensführung. über das schreiben. über musik. über das denken. darüber, wie es ist, ein eigenbrötler zu sein (oh und ich bin doch so gern ein eigenbrötler!). über die senile bettflucht, die auch mir eigen ist.
und so habe ich dieses buch einmal wieder vor mir. neben mir eine tasse tee, in der hand einen rotstift, mit dem ich schöne sätze unterstreiche. wie diesen, der, wie ich finde, nicht nur auf das laufen anzuwenden ist:
“wie sehr meine laufgeschwindigkeit auch nachließ, ich würde nicht gehen. das war meine regel. aber sobald ich eine meiner regeln auch nur ein einziges mal breche, verstoße ich danach gegen immer mehr davon. und dann würde es sicher sehr schwierig, diesen lauf zu beenden.”
ich verstehe nichts von licht und der technik, die mit licht zusammenhängt. ich bin weder fotograf noch regisseur. aber kürzlich kam ich in die verlegenheit, das zu beschreiben, was mir an den filmen sofia coppolas am meisten gefällt und das ist das licht, das sie einsetzt.
meinen augen fällt das besonders in zweien ihrer filme, the virgin suicides und marie antoinette auf (in beiden kirsten dunst in der hauptrolle). meinen augen fällt auf, dass es diese gegensätze gibt, dass das licht hart und weich gleichzeitig ist. das mag ein widerspruch sein für jemanden, der etwas von licht versteht. ich urteile nur mit den augen und dem gefühl, dass sich beim sehen einstellt.
weich, weil alles verschimmen, alles zu zerfließen scheint. weil es keine poren gibt, nichts raues, als bestünde haut nur noch aus puder und haare aus schneeflocken. hart, wegen der kontraste. weil die augen so viel blau und ausdruck, die wimpern so viel schwarz und schärfe besitzen, die lippen so viel rot und schwung.
warum kann es nicht beides geben? ein hochhaus hat auch beides – höhe und tiefe. (oder hinkt dieses gegensatzpaar?) wie der mensch: stärke und schwäche. (jenes hinkt definitiv nicht!) und außerdem: wer mir ein gutes buch über sofia coppola und ihre tätigkeit als regisseurin empfehlen kann, soll bitte gefälligst laut geben.
p.s. und wer hier fleißig aufgepasst hat, wird feststellen, dass ich an dieser und dieser stelle schon einmal über sofia coppola nachdachte.
och. ohrwürmer sind ja so eine sache. richtig angenehm sind sie ja nie. der ohrwurm der miesesten sorte ist allerdings der facebook-ohrwurm. da postet die kindergarten-freundin tina turner und schon summt man den lieben lange tag “you’re simply the best” – ein lied, das man nicht einmal im radio ertragen kann. und bei dem man – anders als beim neuen lieblingslied – nicht einmal selbst den start-knopf betätigt hat. beim facebook-ohrwurm reicht nur das visuelle, nur der youtube-link. und man fühlt sich so furchtbar ungerecht behandelt – ob nun vom schicksal, von tina turner oder der kindergarten-freundin.
allerdings meinte es facebook diesmal gut mit mir. vor einer woche gepostet – ich weiß nicht einmal mehr von wem – spukt mir belle & sebastians “i didn’t see it coming” im kopf herum und hat mich nur ein mal mehr daran erinnert, wie wundervoll musik (und ohrwürmer!) doch sein kann.
auf deutsch heißt dieser film “nathalie küsst” – ein titel, der eine klischee-bestätigende komödie vermuten lässt. seicht wäre zu viel gesagt, anspruchsvoll jedoch auch nicht. audrey tautou klingt einfach viel zu sehr nach federleichter amélie-welt.
nicht, dass “federleicht” und “komödie” nicht zugetroffen hätten. vor herausforderungen hat mich “nathalie küsst” dann aber trotzdem gestellt. die frage, ob man sich in der liebe nicht nur verstandesmäßig gleichberechtigte partner verlieben sollte, sondern eben auch in solche, die einem auch von ihrem rein physischen auftreten gewachsen sind, beschäftigt mich seitdem.
die antwort steht noch aus, die vermutung ist: man verliebt sich nicht ohne grund und immer gibt es gewisse übereinstimmungen und abweichungen. komisch, dass die umwelt lediglich bei äußerlichen abweichungen empört aufschreit (und ich nehme mich da selbst gar nicht aus). nur dann sind sätze wie “du hast etwas besseres verdient” zu hören. schade, eigentlich.
und das, obwohl ich nathalies schweden anfangs genauso abstoßend und dümmlich fand, wie es wohl beabsichtigt war.
eine feenhaft-bezaubernde zooey deschanel an der seite des liebenswürdigen trottels? kam mir vage bekannt vor. “gigantic” gab es allerdings bereits ein jahr vor “(500) days of summer”.
also: eine clevere und zuckersüße zooey deschanel (wer hätte das gedacht?!), die sich nur in trippelschrittchen fortbewegen kann, wundervolle ohrringe trägt, verliebt sich in einen tollpatschigen, aber durchaus (und gerade deswegen) liebenswerten bettenverkäufer, der ein chinesisches waisenkind adoptieren will. eine zooey deschanel, die einen vater hat, der so dick ist, dass er sich liegend im auto kutschieren lässt wie in einem leichenwagen. ein vater, der seinen gehirntumor via gedankenkraft aus seinem schädel befördert und ins taschentusch spuckt.
ach, ich lasse die mühsamen zusammenfassungen und sage: schöner film über die skurrilitäten des lebens mit bildern, die das anschauen lohnen.
Posted in bemerkt on April 2nd, 2012 by die-kleine-miss – 3 Comments
ich gebe es zu: salopper titel für eine weniger schöne geschichte. das bild hat mich berührt. eine chinesische braut, die im weißen kleid selbstmord begehen will. vorausgegangen: die neuigkeit, ihr verlobter und bräutigam in spe hätte sie betrogen.
oh land, die dieses foto auf ihrer facebook-seite veröffentlicht hat, schrieb: “love is powerful.” ich widerspreche so ganz grundsätzlich nicht, als bildunterschrift für diesen fall finde ich es aber ziemlich makaber.
und entschuldigt, quelle des bilds nicht auffindbar.
bin beim durchhören alter raveonettes-platten (warum ich diese ausgegraben habe – dazu in einem späteren post mehr) auf das cover von “my boyfriend’s back” gestoßen. nur, um mich dann zu vergewissern, dass es ein orginal (aber ist es das überhaupt?) gibt, das es zu covern lohnt.