wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede.
Posted in lesen on May 1st, 2012 by die-kleine-miss – Be the first to comment
ich habe so arschtritt-bücher. bücher, bei denen die lektüre wie ein gutes gespräch mit einer freundin wirkt. bei denen ich dann ganz bei mir bin und mich darauf besinne, was ich eigentlich möchte. wo ich stehe. oder hin will.
eines dieser bücher ist “wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede” von haruki murakami. schon allein wegen der wundervollen abwandlung des titels des kurzgeschichtenbandes von raymond carver (wovon wir reden, wenn wir von liebe reden) muss ich dieses buch im regal stehen haben.
wie der titel aber schon sagt, geht es in erster linie ums laufen, den marathon, eine leidenschaft murakamis. untergeordnet – bzw. für mich eher übergeordnet – sind seine gedanken über lebensführung. über das schreiben. über musik. über das denken. darüber, wie es ist, ein eigenbrötler zu sein (oh und ich bin doch so gern ein eigenbrötler!). über die senile bettflucht, die auch mir eigen ist.
und so habe ich dieses buch einmal wieder vor mir. neben mir eine tasse tee, in der hand einen rotstift, mit dem ich schöne sätze unterstreiche. wie diesen, der, wie ich finde, nicht nur auf das laufen anzuwenden ist:
“wie sehr meine laufgeschwindigkeit auch nachließ, ich würde nicht gehen. das war meine regel. aber sobald ich eine meiner regeln auch nur ein einziges mal breche, verstoße ich danach gegen immer mehr davon. und dann würde es sicher sehr schwierig, diesen lauf zu beenden.”




eigentlich gehört es sich nicht, zuerst den film zu sehen und dann das buch zu lesen. ich hab es trotzdem mal so gemacht. weil es mich sowieso kein bisschen stört, wenn ich schon vorher weiß, wie eine geschichte ausgeht. zugegeben, ich bin ja auch so eine, die schon beim beginn eines buches erstmal die letzten seiten aufschlägt.
the virgin suicides, auf deutsch die selbstmord-schwestern, von jeffrey eugenides, verfilmt von sofia coppola (die großartige). im film dreht es sich wohl vor allem um kirsten dunst (die großartige) und eben ihre filmschwestern, die ihr mehr oder weniger ähnlich sehen. im film rückt für mich die handlung in den hintergrund, zugunsten dieses lichts, das coppola einsetzt, wie nennt sie es gleich nochmal? jedenfalls sieht man alles wie durch einen filter und trotz der schrecklichen geschichte baut sie uns eine welt aus zuckerguss und weiß und rosa.
das buch schlägt auf die psyche, ähnelt einem polizeibericht, absichtlich, trotzdem erfährt man wohl zu viel, manchmal will man gar nicht so viel wissen, manchmal will man wegschauen, wie beim fremdschämen.
anders als middlesex, das erste eugenides-werk, das ich mir vor ein paar jahren zu gemüte führte, konzentriert sich die selbstmord-schwestern auf äußere details, zwar ohne das innenleben zu vergessen, aber dadurch, dass äußere details ständig auf das innenleben bezogen werden, wirkt es manchmal wohl übertrieben. wie im schulaufsatz. gedichtinterpretation.
übrigens, diesen wahn, alles in büchern zu unterstreichen, habe ich wohl schon sehr lange. eine erklärung? so gehen mir keine schönen sätze verloren. eine schreckliche vorstellung, ich wüsste, dass sich ein schöner satz in einem buch versteckt und ich könnte ihn nie wieder aufspüren. erklärung für diese angst? ich lese bücher gern zwei, drei mal und öfter. weil man sie immer anders liest. eine sehr wahre binsenweisheit.