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wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede.

Posted in lesen on May 1st, 2012 by die-kleine-miss – Be the first to comment

ich habe so arschtritt-bücher. bücher, bei denen die lektüre wie ein gutes gespräch mit einer freundin wirkt. bei denen ich dann ganz bei mir bin und mich darauf besinne, was ich eigentlich möchte. wo ich stehe. oder hin will.

eines dieser bücher ist “wovon ich rede, wenn ich vom laufen rede” von haruki murakami. schon allein wegen der wundervollen abwandlung des titels des kurzgeschichtenbandes von raymond carver (wovon wir reden, wenn wir von liebe reden) muss ich dieses buch im regal stehen haben.

wie der titel aber schon sagt, geht es in erster linie ums laufen, den marathon, eine leidenschaft murakamis. untergeordnet – bzw. für mich eher übergeordnet – sind seine gedanken über lebensführung. über das schreiben. über musik. über das denken. darüber, wie es ist, ein eigenbrötler zu sein (oh und ich bin doch so gern ein eigenbrötler!). über die senile bettflucht, die auch mir eigen ist.

und so habe ich dieses buch einmal wieder vor mir. neben mir eine tasse tee, in der hand einen rotstift, mit dem ich schöne sätze unterstreiche. wie diesen, der, wie ich finde, nicht nur auf das laufen anzuwenden ist:

“wie sehr meine laufgeschwindigkeit auch nachließ, ich würde nicht gehen. das war meine regel. aber sobald ich eine meiner regeln auch nur ein einziges mal breche, verstoße ich danach gegen immer mehr davon. und dann würde es sicher sehr schwierig, diesen lauf zu beenden.”

birthday stories.

Posted in lesen on March 24th, 2012 by die-kleine-miss – Be the first to comment

eigentlich hatte ich dieses buch gar nicht mehr auf dem schirm. vor über einem jahr in england gesehen, aber aus geldnot nicht erstanden. aus dem gedächtnis meines herzensjungen wurde es jedoch nicht gelöscht. und so lag es mit vielen anderen päckchen auf meinem geburtstagstisch.

haruki murakami ist  zum produkt der masse mutiert (nicht schlimm, sondern verständlich), mittlerweile kann man selbst mit der 53-jährigen bedienung im café über seine bücher reden, in deren bücherregal vor allem nora roberts vertreten ist. eigentlich eine gute sache, finde ich. aber zurück zum thema.

“birthday stories” ist eine sammlung von kurzgeschichten (thema: geburtstag, ist klar.), die von herrn murakami sorgfältig ausgewählt wurden. nicht alle treffen meinen geschmack, die mehrheit allerdings schon.

die leichtfüßige einsamkeit unter tausenden von menschen, die tollpatschige cleverness der protagonisten, die bedingungslose verliebtheit in das verhasste leben – all das findet sich hier ebenso wie in (den meisten) murakami büchern.

als leckerli gibt’s von haruki persönlich eine extra für diesen sammelband angefertigte kurzgeschichte. wie schön, dass er als protagonistin ein junges mädchen gewählt hat – eigentlich eher unüblich.

jedenfalls tröstete mich dieser band mehr als effektiv darüber hinweg, dass das nächste werk des “kultautors” (so nennt man ihn doch, oder?) wahrscheinlich noch etwas auf sich warten lassen wird.

lieblingssatz: “games were the pastimes of people – always men – who could not bear to be alone, who did not read.” (paul theroux/a game of dice).

If you can see this, then you might need a Flash Player upgrade or you need to install Flash Player if it's missing. Get Flash Player from Adobe.

(ein lied, das man – unter anderem – bei starkem liebeskummer hören sollte.)

das dickste buch der welt und eine fremde stadt.

Posted in hingehen, lesen on January 14th, 2011 by die-kleine-miss – Be the first to comment

oder wenigstens kam es mir so vor. einen monat habe ich gebraucht, um tolstois 2000-seiten-wälzer “krieg und frieden” zu lesen. und habe dabei so oft an den aufenthalt in st. petersburg im august gedacht.

trotz herpes, quälenden bauchschmerzen und der notwendigkeit, in regenjacke herumzulaufen, war ich beeindruckt von dieser stadt. ich habe mich gefragt, ob russische frauen jemals ungeschminkt sind. und wieviel prozent der russen verheiratet, bei all den brautpaaren, die sich an der newa fotografieren lassen. ich habe mich gewundert, dass niemand englisch spricht und darüber, wie hilflos man sich fühlen kann, wenn man eine sprache nicht einmal lesen kann.

und es blieb dennoch ein gefühl des erdrücktwerdens und der unsicherheit. ich würde moskau gern einmal sehen. aber um den ganzen verständigungs- und visa-stress noch einmal mitzumachen, muss noch ein bisschen zeit vergehen. das gleiche gilt für den nächsten tolstoi-schinken.

zuckerwatte im ohr.

Posted in hinschauen, lesen on March 11th, 2010 by die-kleine-miss – 2 Comments

eigentlich gehört es sich nicht, zuerst den film zu sehen und dann das buch zu lesen. ich hab es trotzdem mal so gemacht. weil es mich sowieso kein bisschen stört, wenn ich schon vorher weiß, wie eine geschichte ausgeht. zugegeben, ich bin ja auch so eine, die schon beim beginn eines buches erstmal die letzten seiten aufschlägt.

the virgin suicides, auf deutsch die selbstmord-schwestern, von jeffrey eugenides, verfilmt von sofia coppola (die großartige). im film dreht es sich wohl vor allem um kirsten dunst (die großartige) und eben ihre filmschwestern, die ihr mehr oder weniger ähnlich sehen. im film rückt für mich die handlung in den hintergrund, zugunsten dieses lichts, das coppola einsetzt, wie nennt sie es gleich nochmal? jedenfalls sieht man alles wie durch einen filter und trotz der schrecklichen geschichte baut sie uns eine welt aus zuckerguss und weiß und rosa.

das buch schlägt auf die psyche, ähnelt einem polizeibericht, absichtlich, trotzdem erfährt man wohl zu viel, manchmal will man gar nicht so viel wissen, manchmal will man wegschauen, wie beim fremdschämen.

anders als middlesex, das erste eugenides-werk, das ich mir vor ein paar jahren zu gemüte führte, konzentriert sich die selbstmord-schwestern auf äußere details, zwar ohne das innenleben zu vergessen, aber dadurch, dass äußere details ständig auf das innenleben bezogen werden, wirkt es manchmal wohl übertrieben. wie im schulaufsatz. gedichtinterpretation.

ein bisschen schade, dass ich in meiner fantasie sowieso immer kirsten dunsts gesicht vor mir hatte. das ist wohl der nachteil. faule fantasie.

übrigens, diesen wahn, alles in büchern zu unterstreichen, habe ich wohl schon sehr lange. eine erklärung? so gehen mir keine schönen sätze verloren. eine schreckliche vorstellung, ich wüsste, dass sich ein schöner satz in einem buch versteckt und ich könnte ihn nie wieder aufspüren. erklärung für diese angst? ich lese bücher gern zwei, drei mal und öfter. weil man sie immer anders liest. eine sehr wahre binsenweisheit.